Heute morgen haben wir so RICHTIG gefroren. Es ging ein unangenehm kühler Wind und ich habe freiwillig beim Frühstück den Windstopper getragen. Wir haben uns unsere Umgebung bei Tageslicht genauer betrachtet.

Das muss mal ein ganz ansehnliches Anwesen gewesen sein, bevor irgendwer damit anfing überall Schrott darum herum zu platzieren (alle möglichen Autoteile, Teilautos, Lastwagen, Baumaschinen usw). Das mit dem Camping/der Lodge nimmt man dort heute auch nicht mehr ernst. Die ganzen Hinweisschilder sind unleserlich oder halb zerstört. Die meisten Campingbehausungen, die noch bewohnt sind, werden von Arbeitern des Anwesens bewohnt (evtl. sind ein Teil davon auch Goldsucher, die auf eigenes Risiko arbeiten). Bevor wir losfuhren, hatten wir uns einen schönen Plan zurechtgelegt: wir wollte auf der Duncan Road auf einer Strecke von 170 km insgesamt drei etwas abgelegenere Gorges ansehen. Für die am weitesten entfernte sollte man nach Reiseführerangaben den Owner vorher Bescheid geben.
Wir als wieder zur "Rezeption" um nach einer Möglichkeit zum Telefonieren zu suchen. Diesmal empfing uns der Hausherr barfüßig im Blaumann und nachdem er uns erfolglos versucht hat ein Telefonat zum Owner zu ermöglichen, erzählten wir ihm was wir vorhatten. Dazu meinte er: zum einen muss das einer gew. Flora gehören (Info im Reiseführer falsch), zum zweiten, wenn ihr hinfahrt, schaut einfach, dass ihr die Gatter so hinterlasst wie ihr sie vorfindet, wegen sowas braucht ihr sie nicht anrufen und zum dritten, wieso wollt ihr 170 km weit fahren um ein Loch im Boden mit ein bisschen Wasser zu sehen?! Wenn ihr wollt, könnt ihr meinen See auf meinem Anwesen besuchen, der ist mindestens genauso interessant. Außerdem stellte sich heraus, dass er der Besitzer einer Goldmine ist und die Asiatin seine Frau. Er wollte bereits 1995 aufhören, aber irgendwie sind in der Zwischenzeit sogar seine Söhne groß geworden und er hängt immer noch da drin. Allmählich wird sie sauer meint er. Eine ganz kautzige Type. Mit deutscher Mutter und hat als Kind in Hannover gelebt, kann aber angeblich kein Deutsch mehr, wirft dann aber mit einzelnen friesischen Brocken um sich und zeigt uns seine Goldausbeute (die kleineren Mengen). Führt uns stolz seine Gesteinssammlung vor, da gibt es auch richtige Silbererzbrocken und Kupfer. Fragt uns, ob wir denn nicht Gold kaufen wollen. Gefragt, wieso er verkaufen möchte, meint er, man hat nur ein Leben, er hat da noch eine Yacht rumliegen, mit der möchte er so gerne noch auf Schatzsuche gehen, alte Wracks von den Holländern usw. Wie ein reicher Mann sieht er dabei nicht aus, wie er da so steht, mit dreckigem Blaumann, barfüßig und mit Händen, die nie wieder irgendwas Feinmechanisches machen können.

Nun denn, wir haben jedenfalls seinen Rat befolgt und die Gorge Gorge sein lassen. Wir sind stattdessen auf der Duncan Road ein Stück entlang getuckert und haben uns Palm Springs, eine kleine von Palmen umgebene Quelle direkt an der Straße angesehen. Außerdem noch eine Gorge namens Saw Pit Gorge, auch klein, jedoch beeindruckend. Unterwegs haben wir noch Autoleichen entlang der Straße bewundert.

Das dürfte Wolli 2 Tage zum Restaurieren kosten.
Danach haben wir uns tatsächlich nochmal in der Old Halls Creek Lodge eingefunden und uns vom Hausherrn die Anfahrtsbeschreibung zu seinem See geben lassen. Der Backyard of Old Halls Creek Lodge - das war bis dato der coolste Offroad-Spielplatz, den wir je hatten.

Ein Weg ohne Wellblech, wie ihn die Natur zugelassen hat - viele viele Achterbahnen drin, schmal und garantiert ohne Gegenverkehr und er wäre von der Lodge bis zur Tanami Road gegangen! Ganz so weit wollten wir es aber dann nicht treiben, bei km 25 sind wir umgekehrt und zum See bei km 17 zurückgefahren. Mei, wie genial das war! Der See ist durch Stauung entstanden, aber eine wahre Oase für die Vogelwelt. Was wir dort so alles rumfliegen und durchs Gras stolzieren sahen, das machte uns richtig fröhlich.

Scheint's hat der gute Mann nicht nur Goldminen sondern auch noch Naturreichtum.
Als wir nach 2-3 Stunden zurückkamen schüttelte er nur ungläubig den Kopf: was schon zurück? Ich glaube, er war davon ausgegangen, dass wir den ganzen Tag dort rumlungern würden.
Irgendwie hatten wir dank der kurzfristigen Planänderungen noch Zeit übrig. Uns fiel aber nicht besseres ein, als vor dem Halls Creek Visitor Centre darauf zu warten, dass er nach der Mittagspause wieder öffnen würde.
In der Zwischenzeit machte ich meine Erfahrung mit der schrägsten öffentlichen Toilette der Welt. Die steht nämlich in Halls Creek. Eine Ausgeburt an Ingenieurskunst. Glaubt ihr nicht? Also: Die Türen sind aus Metall und hermetisch verriegelt. Daneben ein Bedienpult. Da steht, wenn die Lampe grün leuchtet, soll man den Knopf drücken um die Tür zu öffnen. Das Schöne daran: Es handelt sich nicht um einen Taster sondern um eine kreisrunde Erhöhung, die aus den Pult herausragt und grün angemalt ist. Drückt man darauf, passiert nichts. Fummelt man irgendwie daran herum (wie an Pan Taus Hut), geht irgendwann unversehens die Tür auf. Innen - ihr werdet es kaum raten, wieder ein Bedienpult, um die vermalledeite Tür zu schließen. Die Bedienergonomie wiederum ähnlich ausgefeilt. Hat man es endlich geschafft, die automatische Tür zu schließen und auch sogleich Bedenken bekommen, ob man aus dieser vollelektronischen Sardinenbüchse jemals wieder herausgelassen wird, geht auch sogleich, haltet euch fest: Musik an!Sogar für das Toilettenpapier haben sie einen elektrischen Knopf vorgesehen. Allerdings hat dieses Element bereits seinen Dienst quittiert und somit liegt das Klopapier nur noch auf dem Haltegriff an der Wand unterstützt durch diverse Edding-Notizen auf den Kacheln, es bitte auch dort zu belassen. Die Klospülung wird automatisch ausgelöst,wenn man die Wasserhahnsensorik bedient, auch Seife und Handtrockner werden per Sensorik bedient. Aber das schrillste an diesem Wahnsinn, das schrillste fand ich ein weiteres Informationspult an der Wand, das dem Besucher mitteilt, dass er unverzüglich das Kabuff zu verlassen habe, wenn jene grüne Leuchte das Blinken anfange. Das bedeute dann nämlich, dass entweder die nächste Selbstreinigungssequenz im Begriff sei, zu starten oder der Besucher das Kabuff zu lange belegt habe (genauer wurde der Begriff zu lange aber nicht definiert). Na, wer auf dem stillen Örtchen sitzt und sowas liest, der kann doch voll entspannen, oder?
Das tolle: kaum ist man diesem Wahnsinn mit heiler Haut entronnen, ohne vorher vollautomatisch herausgespült worden zu sein, macht man fünf Schritte auf der Parkanlage vor dem Visitors Centre und findet eine detaillierte Infotafel mit allem, was man über die längste, übelste Wüstenroute durch Australien, die Canning Stock wissen sollte. Gegensätze, wie sie schärfer nicht möglich wären.
Der Besuch des Visitor Centres war nicht sehr gewinnbringend. Wir machten uns auf Richtung Purnululu und beschlossen den Tag am Old Ord River um drei FTFs reicher.